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Liebe Leserin, lieber Leser,
kaum zu glauben, dass das Jahr schon wieder zur Hälfte um ist, finden Sie nicht auch? Jetzt im Sommer hat Großbritannien besonders viel zu bieten. Von zauberhaften Gärten über schöne Strände bis hin zu den allseits beliebten Traditionen. Auch im Juni lässt sich solch eine Eigentümlichkeit bestaunen. Haben Sie zum Beispiel schon einmal etwas von der Knollys Rose Ceremony gehört? Dabei wird jedes Jahr eine Rose durch die City of London getragen und feierlich von Männern in Uniform eskortiert. Erstaunlicherweise ist diese seltsame Zeremonie das Resultat einer fehlenden Baugenehmigung aus dem Jahr 1381. Sir Robert Knollys half einst König Richard II., einen Bauernaufstand niederzuschlagen. Er lebte mit seiner Frau Lady Constance in einem Haus an der Westseite der heutigen Seething Lane. Gegenüber befand sich ein Dreschplatz, an dessen Auswirkungen sich vor allem Lady Constance störte. Kurzerhand kaufte sie das Grundstück und ließ es in einen Rosengarten verwandeln. Außerdem ließ sie eine Fußbrücke über die Lane bauen, um nicht durch den Schlamm laufen zu müssen. Doch es gab wohl keine mittelalterliche Entsprechung einer Baugenehmigung. Das erregte den Zorn des Lord Mayor, Sir William Walworth. Sir Robert und seine Frau wurden vorgeladen und am 24. Juni 1381 dazu verurteilt, als Pacht für ihren Garten jährlich am Fest des heiligen Johannes des Täufers eine rote Rose zu zahlen. Diese Rosenzahlung war aber eher eine symbolische Kleinmiete – schließlich war Sir Robert ein angesehener Bürger und Soldat. Aber Strafe musste sein. Und diese hat sich seitdem als eine Tradition der Stadt etabliert. Die Zeremonie wird jährlich von der Company of Watermen and Lightermen of the River Thames organisiert. Die Rose wird aus dem Garten auf dem damals von Sir Robert und Lady Knollys erworbenen Grundstück gepflückt und durch die City zum Mansion House getragen. Der Master der Company of Watermen and Lightermen überreicht dort die Rose dem Lord Mayor auf einem Altarkissen, das vom Gemeindevorsteher von All Hallows by the Tower getragen wird, begleitet vom Vikar und den Kirchenvorständen. Wenn Sie dem Schauspiel beiwohnen möchten: Die diesjährige Zeremonie findet am Dienstag, den 30. Juni 2026, um 10:40 Uhr statt. Aber ganz gleich, ob Sie die Rosen im eigenen Garten, im Park oder eben bei der Knollys Rose Ceremony bewundern – haben Sie einen schönen Juni.
Es grüßt Sie herzlich
Heike Fries
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Reisefreuden |
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Geschichtsreiches Städtchen: Ludlow in Shropshire
Wie wäre es mit einem sommerlichen Städte-Trip? Wenn Sie quirliges Treiben und mittelalterliches Flair lieben, ist Ludlow ein ideales Reiseziel. Die Stadt liegt im Süden von Shropshire, ganz in der Nähe der Grenze zu Wales. Die Altstadt basiert auf dem ursprünglichen mittelalterlichen Stadtplan und wartet mit schöner mittelalterlicher, normannischer und Tudor-Architektur auf. Besonders sehenswert sind das Ludlow Castle und die Pfarrkirche St. Laurence. Und nach so viel Historie macht es besonders viel Freude, in ein Tea House einzukehren und die Atmosphäre zu genießen.
Dieses Video nimmt Sie virtuell nach Ludlow mit.
Ein Paradies für Bücherwürmer: Hay-on-Wye in Wales
Lieben Sie Bücher? Dann werden Sie staunen, wenn Sie nach Hay-on-Wye kommen. Der kleine walisische Ort an der Grenze zu England ist auch als "Stadt der Bücher" bekannt. An jeder Ecke locken Buchhandlungen und Antiquariate Bücherliebhaber aus aller Welt an die Regale. Jährlich findet hier auch das Hay Festival statt, das den kleinen Ort für zehn Tage zum literarischen Mittelpunkt der Insel macht. Und das zauberhafte Städtchen selbst bringt ohnehin schon jede Menge Bilderbuchcharme mit.
In diesem Video können Sie virtuell mitstöbern.
Schöner geht kaum: The Quiraing auf der Isle of Skye
Schottland ist spektakulär. Man kann es einfach nicht oft genug sagen. Und die Isle of Skye steht dem in nichts nach. The Quiraing ist eine Felsformation, die inmitten dramatischer Landschaften und atemberaubender Aussichten mit Blick auf das weite Meer liegt. Wanderwege führen durch Täler und über grüne Hügel, die von schroffen Felsen umrahmt werden. Ein Besuch hier ist ein Muss für alle, die die wilde Schönheit Schottlands erleben möchten. Besonders bei Sonnenaufgang oder -untergang entfaltet die Landschaft eine fast magische Atmosphäre.
Dieses Video zeigt die imposante Felsformation.
Schräges aus dem 16. Jahrhundert: Little Moreton Hall in Cheshire
Wenn Sie Little Moreton Hall zum ersten Mal betreten, denken Sie vielleicht an Alice im Wunderland oder eine andere schräge britische Geschichte. Das Fachwerkhaus aus der Tudor-Zeit in Cheshire ist für seine eigentümliche Architektur und die gut erhaltenen Innenräume bekannt. Man fühlt sich wie in einem Märchen und erwartet geradezu, dass ein weißes Kaninchen um die Ecke biegt. Doch neben seinem inspirierenden Flair bietet dieses Haus einen faszinierenden Einblick in das Leben der englischen Gentry des 16. Jahrhunderts. Die umliegenden Gärten und der Burggraben runden den Besuch ab. Im Sommer finden hier oft historische Reenactments und Feste statt.
In diesem Video können Sie einen Blick ins Innere wagen.
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Kultur-Tour |
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Quentin Blake Centre for Illustration, London
Illustration ist eine ganz eigene Sprache – und sie vermag es oft, direkt ins Herz zu treffen. Dem berühmten Illustrator Quentin Blake gelang das besonders gut. Dieses brandneue Zentrum trägt seinen Namen und zeigt Ausstellungen von jungen und etablierten Illustratorinnen und Illustratoren sowie Workshops und Events, die die Kunst der Illustration feiern. Zur Eröffnung sind Quentin Blakes Illustrationen bedeutender Premierenabende zu sehen, darunter seine Darstellung von Laurence Oliviers legendärem Auftritt in "The Entertainer" von 1957. Gezeigt werden auch die Originalzeichnungen für Roald Dahls "The Enormous Crocodile" (1978), in Anlehnung an das Krokodil aus den traditionellen Punch-and-Judy-Vorstellungen.
Das Zentrum hat seit dem 5. Juni 2026 dauerhaft geöffnet.
Royal Academy Summer Exhibition, London
Die Sommerausstellung der Royal Academy in London ist mittlerweile eine echte Institution und steht fest im Kalender vieler Kunstfans in Großbritannien. Denn sie ist nichts Geringeres als eine der größten und vielseitigsten Kunstausstellungen der Welt. Die Schau präsentiert Werke von etablierten und aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern in verschiedenen Stilen und Medien und findet seit sage und schreibe 1769 statt. Seither hat sie nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
Die Ausstellung läuft vom 16. Juni bis zum 23. August.
National Garden Scheme in der Upper Bwlch Farm in Wales
Lieben Sie Cottage-Gärten? Die Upper Bwlch Farm in der Nähe von Rhayader ist ein verstecktes Garten-Juwel in der walisischen Landschaft. Der Bauernhof öffnet im Rahmen des National Garden Scheme leider nur an einem einzigen Tag seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Doch alle, die nicht vor Ort sein können, dürfen sich trotzdem freuen. Denn auf der Website des National Garden Scheme gibt es eine besondere Überraschung: Besuchen Sie die Gärten einfach virtuell! Seit der Pandemie hat sich eine Menge virtueller Gartentouren angesammelt, in denen Sie nach Herzenslust schwelgen können.
Machen Sie eine virtuelle Gartentour.
Am 27. Juni 2026 ist der Garten nach Voranmeldung geöffnet.
Fairy Tales in der British Library, London
Wenn Sie in diesem Sommer zusammen mit kleinen Märchenfans in London sind, sollten Sie unbedingt der British Library einen Besuch abstatten. Denn diese Ausstellung erkundet die magische Welt der Märchen und ihre kulturelle Bedeutung. Sie zeigt seltene Bücher, Manuskripte und Illustrationen, die die Entwicklung dieser zeitlosen Geschichten dokumentieren und bietet damit einen faszinierenden Einblick in das Reich der Fantasie und Literatur. Besonders spannend sind die Originalausgaben berühmter Märchensammlungen.
Vom 27. März bis 23. August 2026 können Sie sich märchenhaft verzaubern lassen.
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Fürs Heimkino |
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In der arte-Mediathek:
The Hack
Im Jahr 2011 steckte die britische Boulevard-Zeitung "News of the World" in einem gewaltigen Abhörskandal. Über Jahre hinweg wurden die Telefone von über 4.000 Prominenten aus Politik und Unterhaltung gehackt und illegal abgehört. Die Enthüllungen des Journalisten Nick Davies aus dem Jahr 2009 hatten schließlich 2011 die Einstellung der Zeitung zur Folge. Diese spannende Serie zeichnet die wahren Ereignisse nach.
Ab dem 12. Juni 2026 steht sie in der arte-Mediathek bereit.
In der ARD-Mediathek:
Joan
Es ist 1985: Schulterpolster, Föhnfrisuren, Juwelen – und mittendrin Joan O’Connell. Die einstige Kellnerin ist eher zufällig auf die schiefe Bahn geraten, als sie ihre Tochter bei einer Pflegefamilie unterbringen muss und dringend Geld für eine Wohnung braucht, um sie zurückzuholen. Als sich die Gelegenheit ergibt, bestiehlt sie einen Juwelier und trifft dann zufällig den Antiquitätenhändler Boisie Hannington. Er wird ihr Ehemann und gemeinsam mausern sich die beiden zu gerissenen Juwelendieben. Doch mit ihren Gedanken ist Joan stets bei ihrer Tochter. Die Serie können Sie noch bis zum 5. Juli 2026 in der ARD-Mediathek anschauen.
Bei Disney:
Rivals
An Rivalen mangelt es auch in der zweiten Staffel dieser bösen Satire nicht. David Tennant als fieser Lord Tony Baddingham dreht diesmal richtig auf. Denn im Krieg der beiden Fernseh-Unternehmen Corinium und Venturer will er um jeden Preis als Gewinner hervorgehen. Er manipuliert, was das Zeug hält und nutzt Skandale als Waffen, um seine Gegner – allen voran Declan O’Hara und Rupert Campbell-Black – in den Abgrund zu reißen. Und pikante Geheimnisse gibt es in den Cotswolds bekanntlich mehr als genug. Weitere Folgen sind bereits für November angekündigt.
Die Serie steht auf Disney bereit.
Kino auf Bestellung:
Für Träume ist es nie zu spät
Ihr ganzes Leben lang hat sich Edie um andere gekümmert. Jetzt ist sie 83, ihr Mann ist verstorben und die Tochter hat sie in ein Altersheim abgeschoben. Edie sieht nicht ein, dass das schon alles gewesen sein soll. Kurzerhand beschließt sie, den Berg Suilven in den schottischen Highlands zu erklimmen. Also packt sie ihre alte Wanderausrüstung zusammen und macht sich auf den Weg. Der junge Johnny soll sie bei ihrem Abenteuer unterstützen. Dabei stellt er schnell fest, dass die alte Dame einen echten Dickkopf hat.
Der Film lässt sich mit Bibliothekskarte kostenlos auf Filmfriend anschauen.
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TV-Tipps |
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Die TV-Tipps rund um Großbritannien und Irland finden Sie als PDF-Datei unter diesem Link. Sie können sich die Datei herunterladen, im Browser anschauen oder auch ausdrucken.
Zusätzlich finden Sie die aktuellen TV-Tipps täglich unter diesem Link. Auch hier haben Sie die Möglichkeit, das Vier-Wochen-Programm komplett als PDF zu laden, oder sich den täglichen Programmhinweis als RSS-Feed zu bestellen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern und natürlich beim Anschauen der Sendungen!
Hinweis: Alle nächtlichen Sendungen, auch wenn sie nach Mitternacht beginnen, werden dem Vortag zugerechnet, ab 5 Uhr früh dann dem nächsten Tag.
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Aktuelles |
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Hurra, die Elefanten sind los – und das für einen guten Zweck
Dieser Sommer wird in einigen Gegenden Englands besonders bunt. Denn die kostenlose Kunstaktion "Trunks Across the Thames" bringt bunte Elefanten nach Berkshire und Surrey. Vom 13. Juli bis 13. September 2026 werden rund 30 große, von Künstlerinnen und Künstlern gestaltete Elefanten-Skulpturen auf öffentlichen Plätzen und in Parks zu sehen sein – vor allem in Windsor, Slough und Eton. Hinzu kommen 60 kleinere Elefanten, die von Schulen und Gemeindegruppen gestaltet wurden. Das Projekt ist eine Initiative des Thames Hospice, um Aufmerksamkeit und Spenden für die Hospizarbeit zu gewinnen – und Farbe und Freude in die Gegend zu bringen. Auch der bekannte Illustrator und Autor Charlie Mackesy hat einen Elefanten gestaltet. Seine handbemalte Skulptur "Amara" wurde feierlich beim Royal Windsor Flower Show enthüllt und wird sich ebenfalls in die Herde einreihen. Die Kunstwerke sollen auch dazu motivieren, die Umgebung zu entdecken, ortsansässige Künstlerinnen und Künstler sichtbar zu machen und die Arbeit des Hospizes zu erläutern. Am Ende des Trails werden die großen Skulpturen versteigert und die Erlöse fließen in die Arbeit des Thames Hospice, das für seine spezialisierte palliative Versorgung auf Spenden angewiesen ist. Mehr zur Initiative finden Sie auf der Website der Initiative.
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Lesestoff |
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Susanne Arnold: Das Gelb der Sonnenblumen
Die beiden betagten Freundinnen Elisabeth und Margret reisen zusammen mit ihrem geschätzten Pfarrer nach St. Ives. Die drei möchten den letzten Wunsch eines verstorbenen Freundes erfüllen und gestohlene Juwelen wiederfinden. Kaum angekommen, wartet im Sunflower Manor Hotel schon die erste Leiche auf sie. Während der Pfarrer nur Augen für die aparte Molly Sanders hat, regt sich Margrets Spürsinn und sie beginnt zu ermitteln. Bald erkennt das Duo, dass der Mörder nicht in Urlaubsstimmung ist und jederzeit wieder zuschlagen könnte. Schaffen sie es, ihm zuvorzukommen?
Den Krimi finden Sie in unserem Shop (solange der Vorrat reicht).
Heide Christiansen: Charming England
Bei diesem wunderschönen Bildband ist der Name Programm. Knapp 180 Fotografien zeigen die idyllische, urige und typisch britische Seite der Insel. Betreten Sie traditionelle Tearooms, stöbern Sie in kleinen Läden, wandeln Sie durch herrschaftliche Parks oder flanieren Sie an zauberhaften Cottages entlang. Kurzum: Wann immer Sie Sehnsucht nach diesem typisch britischen Lebensgefühl verspüren, lohnt sich ein Blick in dieses prächtige Buch.
Das Sachbuch in unserem Shop zu finden (solange der Vorrat reicht).
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Sprachecke: Wann zu viel Höflichkeit unhöflich ist |
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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Londoner Café. Am Nebentisch sitzen zwei junge Frauen aus einem nicht-englischsprachigen Land und bestellen ihren Tee mit folgenden Worten: "Might I inquire as to whether you possess any Earl Grey tea, madam?" ("Darf ich erfragen, ob Sie möglicherweise Earl-Grey-Tee besitzen, meine Dame?") Die Bedienung schaut verwirrt, bevor sie mit einem leicht verlegenen Lächeln antwortet: "Yes, we do. Would you like a cup?" ("Ja, haben wir. Möchten Sie eine Tasse?")
Die beiden jungen Frauen haben alles richtig gemacht – zumindest nach dem, was sie im Englischunterricht gelernt haben. Sie waren höflich, respektvoll und sprachen in perfekten, formellen Sätzen. Doch statt Bewunderung ernteten sie verwirrte Blicke. Warum denn bloß? Ganz klar: Weil sie zu formell klangen. Denn formelle Sprache ist keinesfalls immer die beste Wahl.
Formell oder natürlich: Wo liegt der Unterschied?
Klar, formelle Sprache hat ihren Platz – zum Beispiel bei offiziellen Anlässen, in geschäftlichen E-Mails oder wenn Sie in den Buckingham Palace geladen sind. Doch im Alltag wirkt sie oft unnatürlich und distanzierend. Sie eignet sich gut, um Höflichkeit zu zeigen – aber auch, um Emotionen zu kontrollieren oder Abstand zu wahren.
Wenn Small Talk seltsam klingt
Denken Sie an folgenden Fall: Sie treffen einen Kollegen im Aufzug. Er fragt: "How was your weekend?" ("Wie war Ihr Wochenende?") Sie antworten: "It was most enjoyable, thank you for inquiring. I engaged in several leisure activities that proved to be quite delightful." ("Es war sehr angenehm, danke der Nachfrage. Ich habe mich mehreren Freizeitaktivitäten gewidmet, die sich als äußerst erfreulich erwiesen.") Ihr Kollege wird Sie wahrscheinlich mit einem höflichen, aber leicht irritierten Lächeln anschauen. Im besten Fall denkt er, Sie haben vielleicht bei einer historischen Veranstaltung mitgewirkt und sind mit den Gedanken noch dort. Wenn Sie jedoch beim Fußball waren, hätte ein "It was great, thanks! How about yours?" ("Es war toll, danke! Und bei Ihnen?") wesentlich besser gepasst.
Die Beschwerde im Restaurant
Sie sind in einem Restaurant und haben das falsche Gericht bekommen. Was tun Sie? Ihre britische Kollegin würde wahrscheinlich sagen: "Excuse me, I’m afraid this isn’t quite what I ordered. Would it be possible to have it corrected?" ("Entschuldigung, ich fürchte, das ist nicht ganz das, was ich bestellt habe. Wäre es möglich, das korrigieren zu lassen?") Das ist höflich, aber dennoch natürlich. Wenn Sie jedoch mit dem Gedanken an besondere Höflichkeit "I wish to express my profound dissatisfaction with the culinary offering presented to me" ("Ich möchte meine tiefe Unzufriedenheit mit dem kulinarischen Angebot, das mir präsentiert wurde, zum Ausdruck bringen") sagen, wird das wohl eher für Heiterkeit als für eine Lösung sorgen.
Formell sein, wenn man jemandem nicht mag?
Britinnen und Briten nutzen formelle Sprache manchmal auch gezielt, um Distanz zu schaffen – etwa bei Kolleginnen oder Kollegen, die sie nicht besonders mögen. Übertriebene Höflichkeit ersetzt dann gerne einmal den offenen Konflikt. Ein emotionsloses "Good morning, how do you do?" ("Guten Morgen, wie geht es Ihnen?") spricht in diesem Fall Bände.
Wenn Sie im Alltag also ständig formell sprechen, wirken Sie mitunter unnahbar und vielleicht auch so, als würden Sie Ihr Gegenüber nicht mögen.
Formelle Wörter
Vermeiden Sie idealerweise auch den übermäßigen Gebrauch lateinischer oder französischer Wörter. Dazu gehören "to inquire", "to require", "to depart", die alle der formellen Sprache zuzuordnen sind. Diese lassen Sie eventuell so klingen, als wären Sie einem Adelsgeschlecht entsprungen und gerade mit einer Zeitmaschine aus der Vergangenheit angereist.
Beispiele:
- "I require assistance." Natürlicher: "I need help." ("Ich benötige Hilfe." → "Ich brauche Hilfe.")
- "Might I inquire about the time?" Natürlicher: "Do you know what time it is?" ("Darf ich nach der Uhrzeit fragen?", "Wissen Sie, wie spät es ist?")
- "I departed at noon." Natürlicher: "I left at noon." ("Ich brach um Mittag auf." → "Ich bin um Mittag gegangen.")
Das heißt natürlich nicht, dass lateinische Wörter falsch sind. Sie haben durchaus ihren Platz in formellen Texten oder akademischen Arbeiten – und können die Sprache hier und da auch etwas aufpeppen. Aber im gesprochenen Englisch wirken sie oft steif und unnatürlich.
Die richtige Balance
Sie können natürlich Ihren eigenen Stil beim Englischsprechen haben – davon sollten Sie sich auch nicht abbringen lassen. Doch wenn Sie unsicher sind, wann zu viel Höflichkeit Sie ungewollt seltsam klingen lässt, dann gibt es hier ein paar Tipps: In einem Vorstellungsgespräch oder einer offiziellen Besprechung ist formelle Sprache durchaus angemessen. Beim Small Talk mit Kolleginnen und Kollegen oder im Freundeskreis reicht ein lockerer Ton. Nutzen Sie einfache Strukturen. Statt "I am wondering if it would be possible for you to assist me" ("Ich frage mich, ob es möglich wäre, dass Sie mir helfen") reicht "Can you help me?" ("Können Sie mir helfen?"). Vermeiden Sie Übertreibungen – das empfinden Britinnen und Briten ohnehin oft unangenehm. Ein "I am terribly sorry for the slight inconvenience" ("Es tut mir schrecklich leid für die kleine Unannehmlichkeit") klingt, als hätten Sie eine echte Katastrophe ausgelöst – und ist etwas zu viel des Guten, wenn Sie einfach nur kein Kleingeld für die Kellnerin haben. Ein einfaches "Sorry about that!" ("Entschuldigung dafür!") wirkt natürlicher.
Weniger ist mehr
Formelle Sprache ist keineswegs falsch. Aber sie kann auch schnell unnahbar oder sogar komisch wirken. Es sei denn natürlich, Sie spielen gerade bei Downton Abbey mit.
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Rezept des Monats: Coronation Chicken |
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Als Queen Elizabeth II. im Jahr 1953 gekrönt wurde, war das ein großes Ereignis, das auf eine Nation kurz nach dem Zweiten Weltkrieg traf. Dieses Rezept wurde offiziell für dieses Ereignis kreiert. Es ist einfach, aber dank Gewürzen und Aprikosenmarmelade mit einem raffinierten Twist. Heute ist das Gericht ein echter Klassiker und eignet sich hervorragend für ein Picknick an einem schönen Sommertag.
Zutaten
- 700 g Hähnchenbrustfilets, ohne Knochen und Haut
- 240 ml Mayonnaise
- 120 ml griechischer Joghurt
- 2 EL Currypulver (hochwertig und idealerweise frisch geöffnet
- 50 g Aprikosenmarmelade
- 2 EL frisch gepresster Zitronensaft
- 1 TL Salz
- ½ TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- ¼ TL Cayennepfeffer (optional)
- 15 g frischer, gehackter Koriander zum Garnieren (alternativ: frische Petersilie)
- 50 g gehobelte oder gestiftete Mandeln
- 1 Zwiebel
- 1 Karotte
- 1 Lorbeerblatt
Hinweise:
- Das Hähnchen schonend pochieren, bis eine Kerntemperatur von 74 °C erreicht ist, dann abkühlen lassen.
Alternativen: Statt griechischem Joghurt kann auch saure Sahne verwendet werden; für eine leichtere Variante eignen sich fettarme Mayonnaise oder Joghurt. - Cayennepfeffer ist optional.
- Im Kühlschrank luftdicht verschlossen hält sich das Gericht bis zu 3 Tage; für den besten Geschmack mindestens 2 Stunden ziehen lassen.
Zubereitung:
Die Hähnchenbrustfilets gründlich säubern und überschüssiges Fett entfernen. Einen großen Topf mit Wasser füllen, leicht salzen und eine geschälte Zwiebel, eine halbierte Karotte und ein Lorbeerblatt für mehr Geschmack zugeben. Das Wasser zum Köcheln bringen (nicht kochen). Die Hähnchenbrustfilets ins leicht siedende Wasser legen und bei sanfter Hitze garen, bis die Kerntemperatur 74 °C erreicht oder die Fleischfasern nicht mehr rosa sind; das dauert je nach Dicke etwa 12–20 Minuten. Die Filets aus dem Sud nehmen und vollständig auf einem Teller abkühlen lassen. Anschließend in gleichmäßige Würfel von etwa 1–1,5 cm Kantenlänge schneiden. In einer großen Schüssel Mayonnaise und griechischen Joghurt glattrühren. Dann die Aprikosenmarmelade einrühren. Currypulver, Zitronensaft, Salz, frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer und nach Wunsch Cayennepfeffer hinzufügen und alles gut verrühren. Abschmecken und bei Bedarf mehr Zitronensaft, Salz oder Joghurt/Mayonnaise ergänzen. Die gewürfelten Hähnchenstücke in die Sauce geben und vorsichtig unterheben, bis alle Stücke gleichmäßig bedeckt sind. Bei Bedarf etwas mehr Joghurt oder Mayonnaise für die gewünschte Konsistenz hinzufügen. Die Schüssel abdecken und mindestens 30 Minuten, besser 2 Stunden oder über Nacht, im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals abschmecken und eventuell nachwürzen. Die Mandeln in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze leicht rösten, bis sie goldbraun sind. Den Koriander oder die Petersilie waschen, trocken tupfen und hacken. Kurz vor dem Servieren die Coronation-Chicken-Mischung anrichten und mit gerösteten Mandeln und gehacktem Koriander bestreuen. Das Coronation Chicken eignet sich wunderbar als Belag auf einem Sandwich oder Baguette. Sie können es auch in einem verschlossenen Behälter transportieren und beim Picknick mit frischem Brot genießen.
Guten Appetit!
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Zu guter Letzt: Stonehenge zur Sommersonnenwende |
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Die Sommersonnenwende in Stonehenge ist heutzutage eine riesige Veranstaltung, bei der etwa 20.000 Menschen zu den Steinen strömen. Was jetzt wie eine uralte Tradition wirkt, entstand in dieser Form erst im 19. Jahrhundert. Denn was genau passierte, als die Steine vor 5.000 Jahren errichtet wurden, lässt sich heute mangels detaillierter Quellen nicht mehr genau sagen. Die heutigen Feiern gehen deshalb auf das viktorianische Zeitalter zurück: Im 19. Jahrhundert erwachte ein Interesse an Archäologie und eine Faszination für das Mystische. Man begann, Stonehenge als Ort der Verbindung zu einer vermeintlich besseren Vergangenheit zu sehen. 1874 organisierte die Society of Antiquaries erstmals eine wissenschaftliche Beobachtung der Sonnenwende – weniger als Fest, sondern als Studienobjekt. Doch schon bald kamen auch Druiden und okkultistisch Interessierte zum Steinkreis. Sie waren inspiriert von den Schriften des Antiquars William Stukeley, der im 18. Jahrhundert behauptete, Stonehenge sei ein Tempel der keltischen Druiden. Diese These gilt als widerlegt, wirkt aber bis heute nach. Der erste dokumentierte öffentliche Sonnenwenden-Gottesdienst fand 1905 statt, organisiert von der Druid Order, einer neuheidnischen Gruppe, die alte keltische Bräuche wiederbeleben wollte. Damals war die Veranstaltung noch klein und eher esoterisch, ein Treffen von Gleichgesinnten, die im Morgengrauen zwischen den Steinen standen und die Sonne begrüßten. Die damaligen Zeitgenossen fanden das spannend, aber auch eigentümlich: Man war einerseits fasziniert von der Mystik, andererseits aber auch erheitert über die "seltsamen Rituale" der Neu-Druiden.
Die Feiern wurden zu einem wiederkehrenden Ritual, und jedes Jahr kamen immer mehr Menschen. 1956 wurde der Zugang zur Sonnenwende erstmals offiziell geduldet, wenn auch unter strengen Auflagen. Denn die Behörden waren besorgt: Was, wenn die Steine beschädigt würden? Was, wenn die Feiern aus dem Ruder liefen? Der Durchbruch als Massenereignis gelang dann 2000, als die britische Regierung nach Jahren des Hin und Her erstmals freien Zugang zur Sonnenwende gewährte – eine Reaktion auf den wachsenden Druck von verschiedenen Gruppen. Plötzlich war es möglich, die Steine nicht nur aus der Ferne zu bewundern, sondern morgens um vier Uhr zwischen ihnen zu stehen, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch den Heel Stone fallen. In den 1990er begann mit dem Internet die globale Verbreitung des Events. Was früher ein Geheimtipp war, entwickelte sich zum Pilgerziel für Menschen aus aller Welt. Heute kommen jedes Jahr Zehntausende Interessierte – von neugierigen Familien über spirituelle Suchende bis hin zu Party-Fans, um den Sonnenaufgang am Heel Stone zu erleben, wenn die ersten Strahlen in den Steinkreis fallen.
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